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Schloß Bühl
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Ein Stück Vorderösterreich

Inhalt:

Anna von Stein geb. von Hoheneck
Bernhard vom Stein
David von Stein
Das "Rosenfelder Schlößchen"
Das Hirrlinger Schloss
Anna von Stein geb. von Weiher
Die erste gründliche Renovierung
Die Jesuiten in Bühl
Was später mit dem Schloss geschah
Das zwanzigste Jahrhundert

Zeit-Tafel

1552 Fertigstellung des Schlosses Bühl in heutiger Form
1565 Tod David von Steins (am 18.2.1565, knapp 40jährig)
1589 Martin Crusius besucht Bühl, beschreibt das Schloss
1605-1622 Herrschaft von Leopold von Stein, Sohn Davids
1626 Rückkauf des Schlosses durch Österreich
1618-1648 Dreißigjähriger Krieg, Wirren in Bühl
1665 Einziehung des Lehens durch Österreich

1661 Jesuiten erhalten „Schloß, Dorf und Gut Bühl“
Brauerei, Wasserleitungsbau, Neckarregulierung
1776 Ende der Jesuitenherrschaft; „Ex-Jesuiten-Fonds“ verpachtet Hof und Gut an Bürgerliche
1786 Bühler Bauern streben gemeinschaftlichen Besitz an
1794 Schlosswirt Phillip Lohmüller: erhält „dingliche Tanz-Gerechtigkeit“
1898 Familie Bäurle erwirbt das Schloss, Besitz bis 1980
1980 Ersteigerung des Schlosses durch R. Diez und G. Knott
1981-1982 Generalsanierung und Restaurierung, Bildung der Eigentümergemeinschaft Schloss Bühl
2002 Vierhundertfünfzig Jahre Schloss Bühl ; zwanzig Jahre Eigentümergemeinschaft

Die Herren vom Stein und die Anfänge des Schlosses

Anna von Stein, geb. von Hoheneck, junge Witwe des verstorbenen Bernhard vom Stein und Mutter von sieben Kindern übernahm 1537 einen Teil der Rosenfelder Hinterlassenschaften, wozu auch Bühl gehörte.Wandmalerei - klicken für Vergrößerung! Sie war kämpferisch und brachte mit Hilfe der vorderösterreichischen Regierung in Innsbruck ihren Besitz in und um Bühl in die Höhe. David von Stein (Wandmalerei rechts, Vergrößerung), der jüngste oder zweitjüngste ihrer Söhne wurde bei der Verteilung der Erbschaft mit dem enormen Betrag von 16.776 fl. abgefunden. Später übertrug ihm seine Mutter den Bühler Besitz, den David zum Schloss ausbaute. Nicht ganz geklärt ist, ob es einen Vorgängerbau, das "Rosenfelder Schlößchen" am jetzigen Standort gegeben hat. Einige Befunde, die bei der Renovierung 1980-82 gesichert werden konnten, deuten darauf hin. Wahrscheinlich war 1554 die Baumaßnahme abgeschlossen und das Bühler Schloss hatte die heutige Gestalt. Die Südansicht ca. 1998 - klicken für Vergrößerung! Anscheinend ist dem Bauherrn das Geld knapp geworden, denn am südwestlichen Rundturm (links) laufen die Gesimse nicht voll um den Turm herum, sondern zeigen den Ansatz für eine nie fertiggestellte Fortsetzung. Auch die Stelle der Ostfassade, wo der Treppenhausturm an den Fachwerkteil anstößt, lässt Unfertiges erkennen. Fazit: ein vorhandenes Gebäude (das "Rosenfelder Schlößchen") ist unter geringfügiger Vergrößerung an allen Seiten mit Außenmauern und drei Türmen und einem Erker versehen worden. Anscheinend wurde das Ergebnis als so ansehnlich angesehen, dass im nahen Hirrlingen 1557/58 ein fast tupfengleiches Schloss errichtet wurde, diesmal aus einem Guss und als Wasserschloss konzipiert. Lateinische Bauinschrift - klicken für VergrößerungDie in Stein gehauene Inschrift am Treppenturm (rechts) kündet von den Hobbies des Erbauers: ein Jünger der schönen Künste und leidenschaftlicher Kriegsteilnehmer ...(wohl der Schmalkhaldische Krieg, 1547). Angelegt hat sich der etwa dreißigjährige Schlossherr David vom Stein mit der Gemeinde Bühl und mit Georg von Ehingen, weil er selbstherrlich in Allmende- und Wegerechte eingriff. David vom Stein, der seine Ortshälfte protestantisch werden ließ und als neuer Ortsherr keinen neuen Pfarrer mehr ernannt hatte, bekehrte sich 1558 selbst zum neuen Glauben. Er starb am 18.2.1565 und hinterließ eine Witwe, Der Treppenhausturm - klicken für Vergrößerung! Anna von Stein, geb. von Weiher und zwei unmündige Söhne, Leopold Carl und Johann Heinrich. Heinrich war 1575 in Tübingen immatrikuliert, also an einer evangelischen Universität, was einem ausdrücklichen kaiserlichen Befehl an den Adel von 1569 zuwiderlief. Auch Leopold Carl hat vermutlich studiert. 1589 war Martin Crusius bei ihm zu Besuch und beschrieb bei dieser Gelegenheit das Schloss. Er erwähnt acht Stuben, eine Küche und eine Backstube. Er beschreibt die "Schnecke", die Wendeltreppe im Treppenhausturm (links) und die ausgezeichnete Steinmetzarbeit. Drotzermasken - klicken für VergrößerungDie Unterseite ist leicht gewölbt und die Mittelache verschmälert sich von Stockwerk zu Stockwerk, bis sie oben in einem zierlichen Säulchen endet. "Verschiedene Gemälde und gottselige, züchtige deutsche Reime" deuten auf die Beflissenheit des Erbauers hin und seinen Eifer. Die erste gründliche Renovierung führten die Söhne 1599 bis 1605 durch. Wahrscheinlich wurden dabei auch die ungewöhnlichen steinernen Fratzen (rechts, Foto: CityInfoNetz) angebracht oder versetzt. Sie leben in der Bühler Fasnet jedes Jahr wieder als Drotzer (links, Foto: CityInfoNetz) auf und vertreiben den Winter.
Die konfessionellen Konflikte um Bühl dauerten an. 1608 nahm Vorderösterreich das Lehen wieder an sich und  re-katholisierte Bühl ziemlich heftig. Das blieb so bis in unsere Tage. Verkauft wurde das Bühler Schloss in der zweiten Generation 1628. Ein ungünstiger Zeitpunkt, weil der Dreißigjährige Krieg die normalen Verhältnisse auch in dieser Region sehr durcheinander gebracht Bühler Drotzer - klicken für Vergrößerung hatte. Leopold Carl hatte bereits 1605 kalkuliert, wie viel der Besitz wert sei und kam auf 122.000 fl. (Gulden), davon 20.000 fürs Schloss. Heraus kam nach langem Taktieren am 7.10.1626 ein Kaufpreis von 51.000 fl., Käufer war Österreich, vertreten durch den Landeshauptmann in Rottenburg. Es war noch eine rechte Kugelfuhr, bis der Kaufpreis auch tatsächlich bezahlt wurde. Das zog sich Jahre hin. 1632 war Österreich dem David vom Stein noch 24.000 fl. schuldig. Gerade in diesen Jahren (1632/33 und 1638) hatte Bühl durch die Schweden ganz schwer zu leiden, und nach Kriegsende hatte Bühl noch ganze sieben Einwohner. Die Familie vom Stein hatte als Protestanten auf der schwedischen Seite den Dreißigjährigen Krieg mitgemacht. Als Kriegsgegner hatte sie keine Bezahlung kaiserlicher Schulden mehr zu erwarten. Also musste wieder einmal prozessiert werden. 1655 gewannen sie zwar den Prozess mit Glanz und Gloria in Tübingen. Das restliche Geld hatten sie freilich immer noch nicht. Die Erben kämpften weiter (Eitel Bernhard vom Stein) und gingen schließlich leer aus: Der "Jude Landauer", wohl der Bankier der Herren von Niederstotzingen, hatte sich, als es eng wurde, mit den Akten nach Österreich absetzt. Aus der Traum. Österreich hatte das Lehen längst wieder eingezogen. Basta.

Die Jesuiten in Bühl

Inzwischen hatte die Ära der Jesuiten in Bühl begonnen. Die suchten wegen der Nähe zur Universität Tübingen einen dauerhaften und standesgemäßen Standort.

Mit einem Darlehn von 10.000 fl. an Kaiser Leopold I., der Geld für die Kriege gegen die Türken und Franzosen brauchte, brachten sich die Jesuiten in den Besitz des Schlosses mit Dorf und Gut und richteten sich darauf ein, es nicht so bald wieder aufzugeben. In den "Historia Collegii" hielten sie fest:

"Das Schloss in Bühl .. kam endlich in unseren Besitz. Weil das Ganze nur eine Stunde vom Collegium entfernt ist und für die Ökonomie, für die Bedürfnisse der Kühe wie die Haltung von Großvieh und Schafen sehr günstig gelegen ist und weil es obendrein Wiesen, Äcker und Weinberge, .. Brenn- und Bauholz im Überfluss gibt, wie auch Hausteine zum Mauerbau, und weil es in seinem Gebiet Rechte und Untertanen hat und es auch für unsere Patres zur Erholung der passendste Platz zu sein scheint ..Wir haben deshalb 10.000 fl. angelegt, um es als ewigen Besitz zu behaupten.

Mit praktischem Sinn erkannten die Jesuiten, dass die Weine der hiesigen Lage nicht die besten waren und stellten alsbald um auf Bier ("um durch den Biergenuß Krankheiten fernhalten zu können"). So kam es, dass im Bühler Schloss eine Brauerei eingerichtet wurde, die noch bis in die dreißiger Jahre unseres Jahrhunderts fortgesetzt wurde als "Schloßbrauerei". Noch heute gibt es im Schloss noch alte Bierflaschen mit Metallbügelverschluss und Holzkisten mit Beschriftung. Aus dieser Zeit stammt die Unterkellerung des Schlossgartens mit Kühlzelle, gefüllt mit Natureis aus dem eigens angelegten Eisweiher im Tal. Auch eine Wasserleitung stellten die Jesuiten her, vom "Jesuitenbrünnlein" im Bühler Tal bis in den Ort hinein. Sie waren auch die Pioniere des Kartoffelanbaus in Bühl und bemühten sich, allerdings im Ergebnis erfolglos, um eine Regulierung des Neckars. Eine beachtliche Verbesserung der Infrastruktur.

1742 wurde aus Österreich ein Nachschlag zum Darlehen gefordert, zunächst weitere 3.000 fl. Die Jesuiten blockten ab. Wirtschaftlichkeitsberechnungen wurden zwischen Bühl und Innsbruck hin und her geschickt. Man stritt darum, ob die Rendite über oder unter drei Prozent lag. Offenbar wurden lustig die Bilanzen gefälscht, aber als es herauskam, lenkten die Jesuiten blitzschnell ein und zahlten sogar 8.000 fl. statt der inzwischen verlangten 6.000 fl. Aber lange währte das Glück nicht mehr. 1773 wurde der Orden der Jesuiten vom Papst aufgehoben, Habsburg zog das Lehen abermals ein. Auf dem Kirchhof finden sich einige Gräber mit "IHS", dem Logo der Jesuiten, wie auf der Wetterfahne des nördlichen Schlossturms.

Während der Herrschaft der Jesuiten wuchs der Ort Bühl allmählich: seine Einwohnerschaft verdoppelte sich von 29 Haushaltungen in 20 Häusern, also etwa 100 Einwohner 1681, auf 51 Häuser mit 52 Familien im Jahre 1784. Ob der Grund hierfür die Jesuiten als "Arbeitgeber" der Dorfbewohner oder die langsame Erholung nach dem Dreißigjährigen Krieg war, ist nicht bekannt. Spannungsfrei war das Verhältnis zwischen den Dörflern und den Jesuiten nicht: eigenmächtiges Anlegen eines Fischteichs und Straßenverengungen passten den Bühlern nicht. Hinderlich war dies nicht nur für die allgemeinen Verkehrsverhältnisse, sondern auch bei Prozessionen ... Der Missstand wurde mit einer hübschen Handzeichnung illustriert, über die Jesuitenrektor Joseph Senfftl in Rottenburg sich dann heftig aufregte: "ohnverschambt, höchst sträflich und ganz ohnbegründet, ... sogar bei Lutheranern ärgerlich zu traducieren". Schultheiß Lohmüller (!) beschwerte sich schriftlich am 28.7.1767 beim Collegium über die Beschneidung der Weideflächen und erreichte immerhin, dass die Gemeinde zwei Drittel der Weidefläche zurück bekam. Nach der Herrschaft der Jesuiten kam das Gut unter die Verwaltung des Exjesuitenfonds, wie in anderen Orten auch. Das Schloss stand einige Zeit leer und verkam.

Was später mit dem Schloss geschah

1776 wurde das Gut verpachtet, nachdem es zuvor von einem reichen Rottweiler namens Johann Nepomuk Göbel ersteigert worden war. Die Gemeinde hatte mitgeboten, war aber um 100 fl. überboten worden. Göbel selbst war nie in Bühl ansässig, was er mit der Unbewohnbarkeit des Schlosses und dem für Fremde ungesunden Klima begründete. Nach drei Jahren war er des Besitzes überdrüssig, weil seine Rechnungen nicht aufgegangen waren, und kündigte gegenüber dem Exjesuitenfonds die Liegenschaft auf, die auch in baulich desolaten Zustand geraten war. Wieder mal wurde um Schloss Bühl prozessiert, diesmal um die Ausstiegsbedingungen.

1779 konnten Bühler Bürger ihren Plan verwirklichen, das Schloss gemeinsam zu pachten. Aber auch dieses Vorhaben ging nicht lange gut und endete schließlich nach langen Reibereien mit dem Verkauf des Schlosses an Friedrich Lengerle (in späteren Dokumenten Lämmle), Bierbrauer aus Weil der Stadt, und die Bühler Thomas Weber, Augustin Lohmüller und Melchior Bissinger für 3.075 fl. Die Bühler Käufer mussten sich mit den Nebengebäuden zufrieden geben. Ein Versuch Lohmüllers, den Auswärtigen auszustechen, misslang. Er blieb aber der Schlosswirt und führte an den "Sonntägen" Tanzmusik ein, was 1807 zur Eintragung einer gebührenfreien "dinglichen Tanzgerechtigkeit" führte, einer juristischen Kuriosität, die bis heute besteht. Der Grundstein für das beliebte Familienausflugsziel war gelegt. Auch der berühmte Ludwig Uhland hielt sich gern dort auf. In seinem Tagebuch notierte er am 29.9.1812, dass er in seinem Freundeskreis die Anekdote vom betrunkenen Studenten gehört habe, der "zu Bühl sein Pferd stehen ließ und zu Fuß hieher trabte, in der Meinung, er reite".

Schlossgaststätte - klicken für Vergrößerung!1798 ging das Schloss erstmals in den Alleinbesitz eines Bühlers über. Ein Leukart war der Erwerber; aber noch im selben Jahr wechselte es wieder seinen Besitzer: der damals sechsundzwanzigjährige Schultheißensohn Barnabas Merk übernahm es, zuvor hatte er eine reiche Rottenburgerin geheiratet, eine geborene Raidt. In zweiter Ehe mit dem Bühler Benedikt Raidt verheiratet, blieb die Anlage mit der Schlossgaststätte in Familienbesitz der Raidts bis 1898.

Das zwanzigste Jahrhundert

Nach den Raidts erwarb die Bühler Familie Bäurle das Schloss und stellte 1924 den Brauereibetrieb zugunsten der Errichtung eines Sägewerks und eines Baubetriebs für Kaminbau ein. Die Schlossgaststätte blieb erhalten und erlangte regional größte Berühmt- und Beliebtheit. In diesen Jahren sind auch zahlreiche Eingriffe und Veränderungen der Bausubstanz erfolgt. Nicht zuletzt dadurch, dass nach dem Krieg Teile als Fabrikationsräume und Wohnungen umfunktioniert wurden, angebaut wurde im Garten auch der Schlosssaal. Der bauliche Zustand des Schlosses wurde immer schlechter. Ansicht aus den frühen Fünfzigern - klicken für Vergrößerung!Die weitverzweigte Familie Bäurle konnte aus eigener Kraft die notwendige Sanierung nicht aufbringen. So kam es Anfang der siebziger Jahre zu Verkaufsbemühungen. Nachdem auch die Stadt Tübingen kein Interesse zeigte und sonst kein Käufer in Sicht war, kam es 1980 zur Versteigerung, gegen die sich Teile der Familie Bäurle bis zuletzt vergeblich wehrten.

Sicht von Süd-West während der Renovierung 1982 - klicken für VergrößerungDen Zuschlag erhielten zwei Rechtsanwälte aus Tübingen, Rüdiger Diez und Gottfried Knott, die sofort daran gingen, das Schloss von Grund auf zu renovieren, den verbauten Garten zu entkernen und eine überwiegende Wohnnutzung herbei zu führen. Inzwischen gehört das Schloss einer Eigentümergemeinschaft. In der ehemaligen Schlossgaststätte im Erdgeschoss ist die Tübinger Akademie für Verhaltenstherapie mit Ambulanzpraxis. Es wird also immer noch für Leib und Seele gesorgt, im Schloss in Bühl.

Das einundzwanzigste Jahrhundert

... ist noch jung. Im Juni 2002 wurde die 450-Jahr-Feier festlich begangen. Einen Bericht finden Sie hier.

Gottfried Knott
(Stand: 1998, aktualisiert 2002)

(Quelle: Das Schloß in Bühl, Geschichtliche Darstellung und Festschrift von Margarethe Gönner, B.Talbach Verlag, Tübingen, 1984)


 

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Letzte Bearbeitung: Dezember 2002